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Der beste Müll ist derjenige, der erst gar nicht entsteht. Bei zwölf Handwerksbetrieben aus dem Raum Lüneburg wird erst sortiert, bewertet und analysiert, bevor der Abfall endgültig in der grauen Tonne landet. Sie haben ein Jahr lang an dem Projekt "Abfallfreie Betriebe" teilgenommen. Ziel war es, Wege zu finden, um die Gewerbeabfälle möglichst in biologische oder technische Kreisläufe zurückführen.
Weil Restabfälle zur Deponierung oder Verbrennung jetzt kaum noch anfallen, kann die Restmülltonne erheblich verkleinert und im Idealfall sogar abbestellt werden. Die Handwerkskammer Lüneburg-Stade hat das Projekt initiert, durchgeführt wurde es in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordostniedersachsen und der Lüneburger Niederlassung des Entsorgungs-unternehmens Rethmann.
"Fünf Kfz-Betriebe, drei Friseursalons und vier Unternehmen aus dem Bauhandwerk haben sich auf unseren Aufruf hin gemeldet", so Colette Bomnüter, Innovationsberaterin der Kammer und Projektleiterin.
Die Betriebe wurden von Diplomanden der FH im Fachbereich Bauingenieurwesen und dem Ergänzungsstudiengang Abfallwirtschaft begleitet und beraten. Auch in den Werkstätten des Berufsbildungszentrums und in der Verwaltung der Kammer soll demnächst sortiert werden.
Der Restmüll der Betriebe konnte infolge des Projektes erheblich reduziert werden. "Wenn trotzdem Restmüll anfällt, dann liegt das oft an den Produkten der Herstellerfirmen", sagt Colette Bomnüter. In der Regel, so die Erkenntnisse aus der Projektarbeit, werde der Restmüll bei Handwerksbetrieben nicht durch die eigentliche Tätigkeit dort verursacht, sondern durch Substanzen oder Vorprodukte, die der Betrieb beim Hersteller oder Lieferanten erworben hat. Aber nicht immer war es so simpel, das Produkt zu wechseln, wie im Fall des Beauty-Salons von Christa Schnicker. Sie hat zum Beispiel Wattestäbchen mit Kunststoffröhrchen einfach gegen solche aus Pappe ausgetauscht. Ein zentraler Leitgedanke ist daher auch, das Interesse der Hersteller an einer ganzheitlichen Produktgestaltung zu wecken. Wenn kein kompostierbares Produkt lieferbar ist, versuchen die Handwerker jetzt in Zusammenarbeit mit dem Hersteller eine Alternative zu entwickeln oder wechseln möglicherweise den Lieferanten.
Zusätzliche Kosten durften, das war eine Voraussetzung der Organisatoren, für die Betriebe aber nicht entstehen. Das Konzept sollte möglichst zu Einsparungen führen, mindestens aber kostenneutral sein. Und einige Hundert Mark im Jahr sparen die Betriebe heute allein schon am geringeren Volumen ihrer grauen Tonne.
Projektleiterin Bomnüter: "Unser Pilotprojekt soll auch zeigen, wo es zukünftig im Bereich des Umweltschutzes für Handwerksbetriebe hingehen kann." In den kommenden Ausgaben werden wir das Projekt "Abfallfreie Betriebe" am Beispiel von drei Unternehmen vorstellen.
Quelle: Norddeutsches Handwerk, 10. Juni 1999 |